Hallo, mein Name ist Steffi und ich bin eine schlechte Freundin…

Alle anderen Selbsthilfegruppenteilnehmer: “Hallo Steffi!”

Manchmal kriege ich Anfälle und beschließe M. eine supertolle Freundin zu sein und ihm deswegen etwas zu schenken, das er mit großer Wahrscheinlichkeit total gerne mögen wird – ich aber eher nicht.
Ich verdränge also alle Befürchtungen darüber, dass dieses Geschenk meinen lieben Freund schrecklich einnehmen wird, während ich – mich langweilend – daneben sitze.
Leider geht das oft schief. Also nicht das Verdrängen. Und auch nicht unbedingt die Treffsicherheit meiner Geschenke in Sachen M.s Geschmack. Oft tut sich ein ganz anderes Problem auf: Es stellt sich heraus, dass ich die Geschenke im Nachhinein noch geiler finde als M. und eben dieser gelangweilt daneben sitzt während ich komplett von der Sache eingenommen werde.

Ich möchte dieses auf den ersten Blick sehr abstrakte Problem natürlich nicht ohne Beispiele im Raum stehen lassen. Mir fallen da auf Anhieb auch 2 recht prägnante Fälle ein:

Beispiel 1

Oblivion

Damals näherte sich M.s Geburtstag rasant und ich beschloss ihm Oblivion für die Play Station 3 zu kaufen. Ich wusste, dass er auf solche Art von Rollenspielen stand und ebenso war ich mir sicher, dass mich dieses Spiel schrecklich anöden würde. Meine Fantasy-Phase hatte ich ja sowieso längst überwunden und stundenlang durch weite Welten zu latschen und dabei irgendwelchen gruseligen Viechern auf den Kopf zu hauen war auch nichts, das mich begeisterte.
Ich kaufte das Spiel also (Es war damals schon etwas älter und schon in der Platinum-Serie inklusive 2 Erweiterungen erhältlich – das kam meinem Studentenbudget sehr entgegen) und fühlte mich wie eine besonders gute Freundin.
M. freute sich über das Geschenk und begann auch schon bald mit dem Spielen. Weil ich mich als noch bessere Freundin qualifizieren wollte, setzte ich mich daneben und schaute zu.
Dann passierte etwas Schlimmes: Es gab einen grandiosen Charaktereditor! Hach, wieviele Schieberegler es da gab um das Aussehen des Helden zu beeinflussen! Ich war ganz entzückt und nachdem M. eine Weile gespielt hatte, fragte ich ihn ob ich auch einen Charakter erstellen dürfe – natürlich nur zum reinen Zwecke des Erstellens, nicht zum Spielen.
Ich durfte und begab mich völlig begeistert an die Arbeit. Ich bastelte eine Dunkelelfe und sie hatte blaue Haut. Ich war wieder entzückt – wahrscheinlich sogar nocht entzückter. M. meinte, wenn ich schon so einen coolen Charakter erstelle, dann solle ich doch wenigstens die Einführung spielen. Ich kam bis zur ersten Ratte, die mich beinahe tötete. Danach überließ ich M. wieder das Feld.
Irgendwann aber, in einem Moment der Langeweile, kam mir meine supercoole blaue Dunkelelfe wieder in den Sinn…
Was soll ich sagen? M. hätte wohl doch lieber ein Brettspiel von mir bekommen. Das kann man zu zweit spielen…

Ehrensache, dass ich M. “erlaubte” sich Skyrim zu kaufen. Ich bin schließlich eine gute Freundin. Mein Khajiit ist schon in die Diebesgilde aufgenommen worden und über Ratten lache ich nur einmal trocken. Yay!
M. hat sich übrigens als deutlich besserer Freund herausgestellt. Er sitzt nämlich die meiste Zeit daneben und schaut zu. *hüstel* Tja…

Beispiel 2

Game of Thrones

Diese Schmach ereignete sich erst kürzlich. In einem Gute-Freundin-Anfall habe ich M. die gesamte erste Staffel Game of Thrones gekauft – einfach mal so. Fantasy, Gekloppe, Sex. Ich konnte mir gut vorstellen, dass M. das gefallen würde. Außerdem hatte er angemerkt, dass er die zugehörigen Bücher gerne einmal lesen würde.
Ich dachte mir das “Übliche”: Über meine Fantasy-Phase bin ich ja schon längst weg (Die Oblivion-Sache hätte mir an dieser Stelle ruhig mal ins Gedächtnis kommen können…) und Männer, die sich gegenseitig die Köppe einschlagen brauche ich auch nicht…
Hm, wie sich heraus stellte brauche ich das sehr wohl. M. findet’s auch gut, aber irgendwie bin immer ich diejenige die bettelt, ob wir nicht doch noch eine Folge gucken können.
Jetzt giert es uns nach Staffel 2, aber da müssen wir uns wohl noch ein wenig gedulden. Ich könnte eigentlich mal wieder Skyrim spielen. Die Playstation ist ja momentan ohnehin mit keiner DVD belegt…

Beim Autofahren rege ich mich schrecklich auf, wenn…

  • kein Mittelstreifen vorhanden ist und das Auto vor mir deswegen beschließt auf der linken Seite der Straße zu fahren (Also nicht leicht nach links versetzt. Nein! Ganz links!), nur um dann wenn Gegenverkehr ins Spiel kommt erstmal erschrocken zu bremsen und dann rechts rüber zu fahren. Einmal war ich kurz davor denjenigen/diejenige zu überholen, Action-Film-mäßig auszubremsen und ihm/ihr eine Empfehlung auszusprechen aufs Taxi umzusteigen. Ich habe schließlich auch keine Lust Leichen von der Straße zu kratzen. Erst recht nicht nach Feierabend.
  • die Kurven so eng sind, dass ein LKW nur durch sie hindurch fahren kann wenn kein Gegenverkehr kommt, der LKW aber ohne Rücksicht auf Verluste einfach weiterbrettert – mit Gegenverkehr.
  • Leute außerorts mit 69,5 km/h vor mir her kriechen, diese Geschwindigkeit dann innerorts aber auch beibehalten. Wer nur noch in Einheitsgeschwindigkeit fährt, sollte die eigene Fahrtauglichkeit vielleicht nochmal überdenken.
  • Traktoren, die schon einen Autokonvoi von ungefähr 10 Fahrzeugen hinter sich her tuckeln lassen, auch an der 12. Bushaltestelle/Haltebucht/etc. einfach vorbeifahren anstatt die schnelleren Fahrzeuge vorbei zu lassen (was übrigens gesetzlich vorgeschrieben ist!).

Die Mutti

Mutti: “Liegt denn Soltau schon in Niedersachsen?”
Alle anderen Anwesenden: “Jaaaaa. Natürlich.”
Mutti: “Ich bin halt nicht so gut in Geschichte…”
Alle anderen Anwesenden: ???

Status

Status

Entweder hier spielt gerade jemand sehr laut Vogelgezwitscher vom Band oder draußen sitzt ein ca. 5m großes Vöglein.
Ich werde nachher lieber über den Parkplatz rennen, um zu meinem Auto zu kommen und dabei möglichst un-würmisch aussehen…

Untitled

Quote

[...]

Wovon sollen wir träumen?
So wie wir sind, so wie wir sind, so wie wir sind
Woran können wir glauben?
So wie wir sind, das kommt und bleibt, so wie wir sind

Ich fühl mich leer
Und die Nacht liegt schwer
So schwer auf meinen Schultern
All die Hoffnung die war
Ist schon lang nicht mehr da
Schon wieder ne Nacht einfach vertan

[...]

(Frida Gold – Wovon sollen wir träumen)

Vergesst Ambrosia!

Hätten die griechischen Götter bereits damals gewusst, dass meine Mutter als Jugendliche das göttlichste aller Hefezopfrezepte aus dem Schwarzwald-Urlaub schmuggeln würde, hätten sie über Ambrosia und Nektar wahrscheinlich nur verächtlich die Nase gerümpft.
Alle, die nun ob dieser mundwässernden Einleitung schon aufgeregt mit den Hufen scharren und sich ausmalen wie sie auf notfalls illegalen Wegen an dieses Rezept kommen, kann ich beruhigen: Das Rezept befindet sich in meinem Besitz und ich bin gewillt zu teilen.
Als Pazifist und Philanthrop ist mir bereits klar, dass nur von Grund auf böse Gemüter in der Lage wären ein solches Gut allein für sich zu beanspruchen (Danken wir an dieser Stelle der schwarzwäldlerischen Herbergsmutter, die meine Gesinnung teilte und das Rezept an meine Mutter weitergab.).

Der heilige Gral

Man beachte die dezente Punktzahl von 128, die meine Weight Watchers affine Mama auf dem schreibmaschinengeschriebenen Original vermerkt hat (Die Punkte sind übrigens nach dem alten Flex Points System berechnet, falls das für jemanden relevant ist.).
Als mir der Gedanke kam die einzelnen Schritte bis zur Vollendung des Zopfes zu fotografieren, war der Hefeteig bereits fertig und die Füllung schon zusammengerührt. Ich denke aber das Internet bietet genug Möglichkeiten die verschiedenen Stadien eines Hefeteiges zu erkunden.

Hefezopf

Zutaten Teig

500g Mehl
2 Prisen Salz
50g Zucker
40g Hefe (ein Würfel hat 42g, den kann man ruhig ganz benutzen)
1/4 l Milch (zimmer- bis lauwarm)
50g Butter (zimmerwarm)
2 Eier (zimmerwarm)

Zutaten Füllung

250g Haselnüsse
250g Zucker
2 Eier

Zubereitung

Zuerst gebe ich das Mehl in eine große Rührschüssel und drücke in die Mitte eine Mulde. In die Mulde schütte ich den Zucker und das Salz.
In einem kleinen Schüsselchen zerbröckle ich die Hefe und verrühre sie mit 2 EL der Milch (ich nehme zum Rühren vorsichthalber immer einen Plastiklöffel, weil ich mir nicht sicher bin, ob Hefe Metalllöffel “mag”). Das Hefegemisch schüttet man nun auch in die Mehlmulde und verrührt es mit dem Zucker und gibt auch noch die Hälfte der Milch dazu.
Nun deckt man die Rührschüssel mit einem Küchentuch ab und stellt sie an einen warmen Ort. Im Originalrezept steht etwas von 50°C. Die erreicht man zum Beispiel im Backofen. Das ist mir aber meist etwas zu heikel, wenn es nämlich zu warm wird kann der Teig ganz schön austrocknen. Ich bevorzuge einen sonnigen Fleck oder ein Plätzchen vor der Heizung.
Den soeben produzierten “Vorteig” (um mal mit ein paar Fachbegriffen um sich zu werfen) lässt man nun in Ruhe eine Weile gehen. Eine halbe Stunde sollte es schon allermindestens sein. Sinnvoll ist es zum Beispiel auch einfach die erste Hälfte der Wohnung zu putzen (das dauert bei mir knapp eine Stunde).

Nach der Gehpause sollte sich das Gemisch in der Mehlmulde ganz schön aufgebläht haben.
Nun verteile ich die Butter in großen Flocken rund um die Mehlmulde und schlage die Eier in die Schüssel. Dann statte ich mein Handrührgerät mit Knethaken aus und rühre das Ganze schön durch, während ich den Rest der Milch nach und nach zugebe.
Erfahrungsgemäß brauche ich dann an dieser Stelle noch etwas mehr Mehl und meine Hände zum Weiterkneten, um einen schönen glatten Teig zu produzieren.
Ich empfehle wirklich die Hände zu benutzen! Hefe liebt es mit warmen Händen durchgeknetet zu werden (Wer tut das auch nicht? *schmacht*).
Den fertigen Teig deckt man wieder ab und stellt ihn an sein bevorzugtes warmes Plätzchen. Dort sollte er wieder eine Weile gehen (zum Beispiel so lange, wie es dauert die zweite Wohnungshälfte zu putzen). Eine Stunde wäre schon ratsam.

Nachdem der Teig genug gegangen ist, knete ich ihn noch mal eine ganze Zeit lang mit den Händen durch und teile ihn dann in 6 gleich große Kugeln (Wagemutige können auch bloß drei Kugeln machen. Das wird dann ein einziger sehr großer Hefezopf. Ich mache lieber zwei kleinere.).
Die Kugeln stelle ich in der abgedeckten Schüssel noch einmal beiseite, während ich die Füllung herstelle. Hierfür trenne ich die zwei Eier und schlage die Eiweiße zu Eischnee auf (Eigelbe auf jeden Fall auch aufheben!). Wenn der Schnee schön fest ist, stelle ich den Mixer auf eine niedrige Stufe und lasse den Zucker in den Schnee einrieseln. Anschließend hebe ich die Haselnüsse vorsichtig mit einem Plastiklöffel unter. Dann sollte das Gemisch folgendermaßen aussehen:

Die fertige Füllung

Als nächstes bemehle ich meine Arbeitsfläche und mein Nudelholz. Dann widme ich mich wieder den Teigkugeln. Ich nehme je eine davon, knete sie noch einmal kurz durch, forme sie zu einer Wurst und rolle diese dann aus. Ein fertig ausgerolltes Ex-Kügelchen sieht so aus:

Ich war mal eine Kugel...

Auf den ausgerollten Teig gebe ich einige Klecksen der Füllung (ruhig großzügig) und verteile sie auf dem Teig. Das geht tatsächlich am besten mit den Fingern. Danach leckt man sich die Finger ab und wäscht anschließend seine Hände (Das mag ein Grund dafür sein, wieso die Hefezopfproduktion so unendlich lange dauert, ist aber der wichtigste Schritt).
Nun rolle ich den Teigfladen von der langen Seite her auf.

Welch Kleckse voll von sonniger Wonne!

Evolution! Aus Fladen wird Schnecke...

Jetzt kommt auch das Eigelb wieder ins Spiel. Mit einem Pinsel trage ich ein wenig Eigelb auf das letzte Stückchen Teig auf, bevor ich die Teigschnecke vollende. Die Eigelbklebestelle drücke ich gut fest.

Dokumentation des Klebevorgangs

Wenn alle Teigschneckenröllchen fertig gestellt sind geht es an’s Flechten. Dazu nimmt man sich je 3 der Rollen, klebt sie an einem Ende mit Eigelb zusammen und beginnt zu flechten.

Des Geflochtenen Beginn

Nachdem ich den Zopf fertig geflochten habe, versuche ich die Auflageflächen der verschiedenen Stränge mit ein wenig Eigelb zu verkleben.

Geklebte Auflageflächen

Wenn beide Zöpfe fertig sind, bepinsele ich die Oberflächen mit Eigelb. Das sorgt dafür, dass die Zöpfe nach dem Backen schön glänzen und eine dunkle Farbe bekommen.

Die letzte Salbung

Nun kommen die Zöpfe in den Ofen. Ich empfehle 180°C Ober- und Unterhitze. Da ich zwei Zöpfe, statt einem großen, produziert habe, verringert sich die Backzeit auf ca. eine halbe Stunde. Ich würde jedoch auch bei einem Zopf nicht auf die im Originalrezept angegebene Stunde pochen. Das Rezept ist schon recht alt, heutige Backöfen werden doch beträchtlich heißer. Am besten ist es also den Backvorgang im Blick zu haben.

Lohn der Mühen. Leider ist ausgerechnet der hintere Zopf hübscher geworden...

Bilder des angeschnittenen Zopfes existieren leider nicht. Wer ihn anschneidet, isst ihn auch auf – augenblicklich.

In unserer Familie ist es übrigens “Tradition” diesen Hefezopf nur zu Ostern zu backen – das Rezept stammt allerdings von einer Pensionsleiterin im Schwarzwald, die den Zopf täglich zum Frühstück serviert hat. Wer eine schlanke Linie wahren möchte, der sollte den Zopf nicht unbedingt in die tägliche Frühstücksroutine einbeziehen.

 

[...]baby, baby, baby, no *

Letztens wurde ich 25, was wohl einen ominösen Schalter in mir umgelegt haben muss. Meine innere Uhr meint nämlich lautstark ticken zu müssen – und das auch noch nachts!
In letzter Zeit träume ich vermehrt von Schwangerschaften und mir unbekannten Kleinkindern, die ich versorgen muss.
Hallo?! Was soll das bitte schön?! Ich bin mir nämlich zufällig ziemlich sicher, dass ich noch keine Kinder haben möchte. Momentan bin ich mit einem Riesenkalb von Neffen recht gut bedient. Wenn ich nur daran denke, dass ein Kopf dieses Umfangs aus mir herusgepresst werden soll, dann biegen sich mir innerlich sämtliche Fußnägel hoch.
Ganz davon ab, dass ich mir schöneres vorstellen kann als Tag aus Tag ein ausgelutscht zu werden wie eine übergroße Safttüte.
Erst gestern habe ich Eine Frau bei 1000° ausgelesen und gehe (zum jetzigen Zeitpunkt) vollkommen d’accord mit dem lyrischen Ich Herbjörg, das an einer Stelle schreibt, dass eine Frau, die neues Leben gebäre ihr eigenes verlöre.
Dies soll nun in keinem Fall ein Angriff auf all die liebenden Mütter da draußen sein, ich möchte lediglich ausdrücken, dass es sich für mich in meiner jetzigen Situation genau so anfühlen würde.
Momentan möchte ich erst einmal herausfinden wie ich mein eigenes Leben zu leben habe. Ich möchte wissen wer ich bin und möchte nicht, dass die Antwort “Mutter” lautet.

Also Herz, Kopf und Bauch an was auch immer: Nein, danke!

 

* Um es mal mit den Worten eines großen Poeten unserer Zeit zu sagen *hust*